Festrede des Ehrenvorsitzenden Hans Schröter zum 50-Jährigen bestehen des TSV Lepahn am 28. Sept. 1997

Sehr geehrter Herr Vorsitzender!
Verehrte Gäste des TSV Lepahn,
Liebe Sportlerinnen, liebe Sportler!

Der TSV Lepahn von 1947 e.V. feiert im Jahr 1997 mit Zuversicht und Stolz sein 50-jähriges Bestehen. Dieses ist ein dankbares Ereignis zugleich Rück- und Vorschau zu halten.

    Man hält inne - man stellt Fragen
    Ist der Verein jung - ist der Verein alt?
    Wie begann alles?
    Wie ist der Stand der Dinge?
    Hat der Verein etwas falsch gemacht?
    Hat er daraus gelernt?

    Wohin geht die Entwicklung für einen kleinen Landverein?

    Wie sind die Anforderungen der Zukunft, kann der Verein sie erfüllen, sind sie finanzierbar?

Einig waren sich im Frühjahr 1947 (ein genaues Datum ist nicht bekannt und war auch nicht zu ermitteln; aber nachweislich war Siegmund Will zum 1.April. 1947 für den Verein in der Leichtathletik startberechtigt) einige Wenige in dem Gedanken, daß Sport gepaart mit Gemeinsinn mithelfen könnte, die graue Nachkriegszeit besser zu überwinden.
Zur Hauptsache wurde Feldhandball (Großfeld) gespielt und Leichtathletik be- trieben. Hinzu kamen im Winterhalbjahr Tischtennis und Theaterspiel im Vereinslokal “Zur Linde” bei Fam. Steen.
Der Verein und alle Sparten haben in der Zeit viele Schwierigkeiten und auch derbe Mißerfoge hinnehmen müssen, aber auch schöne Erfolge erringen dürfen. Die über 360 Urkunden und Pokale legen dafür ein beredtes Zeugnis ab

 

    Was verbirgt sich hinter 50 Jahre Vereinsgeschichte?
    - Wechselnde soziale und wirtschaftliche Verhältnisse
    - Wechselnde Vereinsführungen ( die übrigens von 1953-1967 immer ein Hauptlehrer der Dorfschule Lepahn oder Trent waren
     (1953-1960 Herr Lucht; 1962/63 Herr Schacht; 1963/67 Herr Buck
    - immer neue Aufgaben/Forderungen/Erfordernisse
    der Mitglieder, der Verbände, der politischen Institutionen.

Das 50-jährige Bestehen zeigt aber, daß alle Probleme doch mit Erfolg gemeistert wurden.
Wenn sich heute der Verein mit fast 370 ständigen Mitgliedern - davon rd. 30% Kinder und Jugendliche - und mit dieser Ausstrahlung zeigt,  dann nur deshalb, weil die Vereinsführungen und die ehrenamtlichen Tätigen alle an sie gestellten Aufgaben mit Erfolg bestanden haben. Gerade in den letzten Jahren, in denen die Ansprüche an die “Dienstleistung” Sportverein immer größer geworden sind, hat es der TSV Lepahn verstanden, ausschließlich seine Mannschafts- sparten bereitzustellen und damit insbesondere der Jugend durch den Sport Impulse für den weiteren Lebensweg zu geben.

Mannschaftssport ist Gemeinschaft!
Gemeinsam mit anderen  spielen / wohlverstanden Kämpfen / Gewinnen / verlieren / traurig sein / sich freuen / feiern / sich verstehen / sich einfügen /
sich helfen
Dieses Angebot hat es heute schwer. Die frühe Erziehung zur Eigenverant- wortlichkeit und Selbständigkeit sind heute Götzen geworden, die in die Sackgasse von Individualismus und Egozentrismus geführt haben.
Das Ende ist die Einsamkeit!
Hinzu kommen die Trendscout der Wirtschaft. Da wird der Zeitgeist systematisch erkundet, geweckt und anschließend vermarktet.
Beispiele?   Freeklimming - Skatbord - Streetball - Inline Skates
Und alles nur im Markenwahn und damit im richtigen Outfit.

Unbestritten und entscheidend sind aber immer gewesen und immer noch, die Frauen und Männer, die sich unter Hintenanstellung ihrer privaten Dinge für die ehrenamtliche Arbeit uneigennützig zur Verfügung gestellt haben und immer noch stellen.
 Was sie treibt läßt sich kaum erkunden. Aber sie sind die Motoren, die das Vereinsschiff in Fahrt halten

Stellvertretend darf ich nennen:
Hildegard Grage
, über 20 Jahre aktive Kassenwartin und aktive Theatermimin, 1967 mach sie ihren Willi zum 1. Vorsitzenden / bei zeitweise nur noch 50 Mit- gliedern dümpelt das Vereinsschiff aber keine Aufgabe, die Fahne wird eisern hochgehalten !
Walter Romeikat, Nachdem imSiedlungsverfahren der Verein das jetzige Gelände über die Gemeinde und damit endgültig erhält, hat der Verein endlich seinen festen Mittelpunkt. Als aktiver Handballer - es wurde noch kein Feldhandball gespielt - wird unter seiner Leitung erste Umkleidekabinen geschaffen.
1) eine kleine Blechhalle vom Gut Lehmkuhlen. Diese fällt leider 14 Tage nach der Einweihung einem Herbstorkan zum Opfer.
2) Es wird 1967 wiederum unter seiner Leitung massiver Ersatz geschaffen (Umkleide-, Wasch-, und Toilettenräume). Inzwischen aktiver Trainer und Betreuer unserer Fußballjugend.
3) Zum 25. jährigen Jubiläum 1972 erfogte Anbau unter seiner Führung mit einem Geräteraum und einem kleinen Gemeinschaftsraum. Es waren 5.000 DM aus dem 2. Sportplatzbau übergeblieben, die unbedingt in Lepahn - selbstverständlich mit Einwilligung der Geldgeber - verbaut werden mußten.
4) Unter seiner Bauleitung dann 1979/1980 und endgültig das heutige Sport- und Jugendheim einschließlich des LG-Schießstandes mit 8 Bahnen im Kellergeschoß.

Zwei Ereignisse dürfen in der Rückschau nicht unerwähnt bleiben, wobei eine Bewertung unterlassen wird:
1. Gleichzeitig mit der Fertigstellung der Kleinkunstturnhalle von 9x18 m an der Grundschule in Trent im Jahre 1970 gründet sich unter Leitung  des Rektors Frank die SG 70. Mit der Betonung auf einen überdörflichen Verein wurden u.a. Boxen, Karate, Reiten, Radsport, Schwimmen und Tanzen angeboten.
Über 1 Jahr lang wurde vom Vorstand versucht eine Gemeinsamkeit im Sportbetrieb, Führung und Namen auch unter neutraler Vermittlung zu erreichen. Das Zusammengehen ist gescheitert. Das Ergebnis war eine Trotzreaktion in Lepahn und Umgebung. Die Mitgliederzahlen des TSV stieg 1971 auf das 3fache = 212 Mitglieder!
2. 1978/1979 begannen die Planungen zum Bau des heutigen Sportheimes. Der Verein hatte die Vision auf der Basis der Konzentration der knappen öffentlichen Mitteln zusammen mit der Gemeinde Lehmkuhlen für ihre Freiwillige Feuerwehr Lepahn, die ebenfalls bauen wollte und mußte, ein gemeinsames Zentrum zu erstellen. Dies hätte zu der damaligen Zeit im Kreis Plön als Novum gegolten.
Das Vorhaben ist gescheitert, da der FF-Einsatz vom hiesigen Standort aus, eine Zeitverzögerung von 20 Sekunden bedeutet hätte.

Schlußwort:

Ich wünsche, und da sage ich jetzt ganz bewußt meinem Verein für die kommenden Jahre

      - alles erdenklich Gute
      - die Unterstützung, die notwendig ist, um weiterhin für die Allgemeinheit und das Gemeinwohl tätig sein zu können. Der Verein braucht für seine soziale Aufgabe die sachorientierte und finanzielle Unterstützung von Politik und Wirtschaft.
      - immer Frauen und Männer, die ihm in Würde und Uneigennützigkeit in einer für uns allen friedvollen Zeit mit glücklicher Hand weiterführen.
      - Mitglieder als tragende Kraft mit der Erkenntnis, daß in Zeiten des Anspruchsdenkens nur ein aktives Mittun ein Fortbestehen des Vereins gewährleistet.
      - das er seinen Stellenwert im gesellschaftlichen Leben der Gemeinde Lehmkuhlen behält.
      - daß die Eltern seiner Jugend die Vereinsmitgliedschaft namens ihrer Kinder nicht als EX- und HOPP-Artikel ansehen.
      Zu einer Mitgliedschaft gehört auch Konsequenz.
      - daß der kleine Landverein als lebendiges Gemeinwesen seine Berechtigung hat und auf Dauer auf dem Lande behalten wird.

TSV LEPAHN   -   GLÜCK AUF !